Freitag, 12. Januar 2018

Zerbrochene Länder.

Seit die USA im Jahr 2003 im Irak einmarschiert sind, hat sich die Geschichte der arabischen Länder im Nahen Oster geradezu überschlagen. Weckte der Arabische Frühling Hoffnungen auf Stabilisierung und Frieden, so weisen die Fluchtbewegungen seit dem Jahr 2015 in eine ganz andere Richtung. Der US-amerikanische Schriftsteller und Kriegsberichterstatter Scott Anderson gilt als Kenner der Region. Und anders als sein 2013 erschienenes Buch Lawrence in Arabia, das heute bereits als Klassiker der biografischen Literatur gilt, ist sein jüngstes Werk auch auf Deutsch erschienen: Zerbrochene Länder – Wie die arabische Welt aus den Fugen geriet.

Scott Anderson kennt den Nahen Osten wie seine Westentasche, hat die arabischen Länder dutzende Male bereist und besitzt die Fähigkeit, Menschen einfach nur zu beobachten und ihnen zuzuhören. Der Autor erzählt die jüngste Geschichte des Nahen Ostens anhand von sechs Protagonisten, von zwei Frauen und vier Männern aus Ägypten, Libyen, Syrien und dem Irak.
Zitat: Sie teilen mit Millionen anderer Menschen im Nahen Osten das Schicksal, in einer aus den Fugen geratenen Welt zu leben. Die Umbrüche und Unruhen, die 2003 mit dem Einmarsch der US-amerikanischen Truppen in den Irak begannen und letztlich in Aufständen und Revolutionen mündeten, die im Westen als „Arabischer Frühling“ bekannt geworden sind, haben ihr Leben für immer aus den Angeln gehoben.

Der Autor begleitet einen jungen Iraker, der sich vorübergehend dem IS anschließt, genauso wie die Witwe eines prominenten ägyptischen Menschenrechtsanwalts, deren Sohn innerhalb kurzer Zeit von drei Regimes inhaftiert wird, oder auch einen Syrer, den seine Flucht von Homs über das Mittelmeer bis nach Dresden führt. Eine Frau aus dem Irak hat es ihm besonders angetan, schreibt er im Epilog des Buches.
Zitat: Worin ich Trost gefunden habe, ist die außergewöhnliche Kraft Einzelner, Veränderungen herbeizuführen, und niemand verkörpert diese Kraft mehr als Khulood al-Zaidi. Dank ihrer Willenskraft ist Khulood […] zu einer ebenso unwahrscheinlichen wie bemerkenswerten Anführerin geworden. […] Doch es sind gerade diese Menschen – die Besten ihrer Nationen -, die ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren Leben verlassen. Was für Österreich eine Bereicherung ist, ist für den Irak ein Verlust.
Die Irakerin lebt seit Ende 2015 mit ihrer Schwester bei einer Familie in Kärnten.

Doch zurück an den Anfang des Buches, das übrigens aus einer Reportage entstanden ist, die am 14. August 2016 als einziger Beitrag im New York Times Magazine erschienen ist. Zwei Jahre lang hatte der Autor recherchiert, um die Krise im arabischen Raum zu verstehen, hat Menschen kennengelernt, die exemplarisch für die Ereignisse in diesen Ländern stehen.
Zitat: Bevor wir mit dem Auto in den Nordirak fahren, tauscht Dr. Azar Mirkhan seine westliche Kleidung gegen die traditionelle Kluft kurdischer Peschmerga: Er streift eine enganliegende kurze Wollweste über sein Hemd, schlüpft in bauschige Pluderhosen und legt einen breiten Kummerbund an. Dann kommen die speziellen Accessoires der kurdischen Streitkräfte: ein Kampfmesser, das er ordentlich an seinem Kummerbund befestigt, eine geladene Pistole, Kaliber .45, und ein Feldstecher für Scharfschützen. […] Der Arzt zuckt mit den Schultern: “Ist eine unsichere Gegend.“

In fünf Teilen arbeitet sich der Autor durch die Geschichte des Nahen Ostens, beginnt im Kapitel Ursprünge im Jahr 1972 mit einem historischen Überblick, und erzählt dann - immer aus der Sicht derer, die dort leben, kämpfen, sich verstecken oder von dort fliehen – vom Irakkrieg, vom Arabischen Frühling, vom Aufstieg des IS. Und endet schließlich mit dem Kapitel Exodus, das die Jahre 2015 und 2016 abbildet. Ganz nach dem Motto „Ein Fremder ist nicht mehr fremd, sobald man ihn kennt“, taucht der Leser ein in eine Welt voller Zweifel und Mut und Trauer und Zuversicht. Man scheint die Gewalt und den Zynismus beinahe am eigenen Körper zu spüren, nimmt Anteil am Leben der sechs porträtierten Menschen. Doch nicht nur die Erlebnisse der Protagonisten ziehen die Leserin, den Leser in ihren Bann, auch die eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien des Magnum-Fotografen Paolo Pellegrin. Düster und pessimistisch – das ist der Eindruck, den man in diesem Buch von der arabischen Welt bekommt. Viel Grund zur Hoffnung sieht der Autor Scott Anderson nicht.
Zitat: In philosophischer Hinsicht hat mich meine Reise durch den Nahen Osten abermals daran erinnert, wie dünn der Firnis der Zivilisation tatsächlich ist, wie wachsam er verteidigt werden muss und wie langsam und schwer die Reparatur vonstattengeht, sobald er erst einmal Risse zeigt. Das ist bei weitem kein neuer Gedanke, denn diese Lektionen hätten wir eigentlich schon aus den Erfahrungen mit Nazideutschland und den Ereignissen in Bosnien oder Ruanda lernen sollen. Vielleicht aber müssen wir diese Lektionen immer wieder von Neuem lernen.

Scott Anderson erzählt die Geschichten von sechs sehr verschiedenen Menschen. Und die Geschichte einer Region, die – so der Autor – langsam aus den Fugen gerät. Es ist eine großartige Erzählung, eine journalistische Analyse vom Feinsten, eine Empfehlung.

Info: Scott Anderson: Zerbrochene Länder – Wie die arabische Welt aus den Fugen geriet (aus dem Italienischen von Laura Su Bischoff, Suhrkamp 2017)

Freitag, 29. Dezember 2017

Planet und Mensch.

Es wird immer enger auf unserer Erde. In den nächsten fünfzig Jahren wird die Weltbevölkerung die gigantische Zahl von zehn Milliarden Menschen erreichen. Die Besiedelung unseres Planeten hat vielfältige Ausprägungen und hängt von zahlreichen Faktoren ab: Fluchtbewegungen, Hunger, Geburtenkontrolle, Lebenserwartung, Umweltverschmutzung. Massimo Livi Bacci, der italienische Altmeister der demografischen Forschung - also der Wissenschaft von der Bevölkerungsentwicklung - hat sich all diese Aspekte angesehen und in einem Buch zusammengefasst: Planet und Mensch. Bevölkerungswachstum im 21. Jahrhundert so lautet der schlichte Titel.

Wie leicht ist es heutzutage von Europa nach Japan oder Hawaii oder Feuerland zu reisen. In wenigen Stunden überqueren wir Zeitzonen, Kontinente und Ozeane. Die sozialen Medien verbinden Menschen aus allen Erdteilen, Informationen und Nachrichten verbreiten sich in Windeseile. Fast hat man das Gefühl, die Welt sei kleiner geworden.

Zitat: Die Weltumsegelungsexpedition unter Magellan und Elcano startete am 10. August 1518 in Sevilla, wo die Schiffe am 8. September 1522 wieder eintrafen, nach 1125 Reisetagen. Heute braucht ein Überschallflugzeug einen einzigen Tag, um die Welt zu umkreisen. Das ist tausendmal so schnell.

Die Welt ist ein Dorf - und dieses Dorf droht aus allen Nähten zu platzen. In den Städten drängen sich die Menschen - im Großraum Tokio leben fast 40 Millionen Menschen, im brasilianischen Sao Paulo sind es 22 Millionen und auch der Großraum Wien hat bereits mehr als 2 Millionen Einwohner. Das war nicht immer so. Denn lange Zeit wuchs die Weltbevölkerung in recht bescheidenem Maße, die Kindersterblichkeit war hoch, die Lebenserwartung niedrig.

Zitat: Die äußerst bescheidenen Wachstumsraten, die bezogen auf Zeiträume von Jahrtausenden berechnet wurden, geben zusammenfassend eine demografische Entwicklung wieder, die nicht in gleichförmigen Schritten, sondern mit Schwankungen, in Zyklen, mit Höhen und Tiefen, Wachstum oder Schrumpfung verlief. Aber sie drücken eine Grundtendenz des Bevölkerungswachstums aus, das über lange Zeiträume hinweg ziemlich dürftig ausfiel.

Das ändert sich in eindrucksvoller Weise ab 1900. Innerhalb weniger Jahrzehnte schnellt die Bevölkerungszahl in die Höhe. Waren es 1927 noch 2 Milliarden Menschen, die auf der Erde lebten, sind es im Jahr 1974 bereits doppelt so viele.

Zitat: Das Tempo, in dem sich das demografische Wachstum in den Jahrtausenden nach Entstehung der Landwirtschaft vollzog, unterscheidet sich von den Zuwachsraten in den 1960er Jahren wie die Geschwindigkeit eines Ochsenkarrens von der eines Düsenjets.

Woran lag das, welche Umstände waren dafür verantwortlich? Massimo Livi Bacci listet zahlreiche Faktoren auf, stellt Überlegungen an, wiegt ab, vergleicht, kommentiert. Etwas zahlenlastig ist das Ganze - Tabellen und Statistiken illustrieren die Entwicklung - aber dennoch nicht langweilig. Denn immer wieder wird der Autor sehr konkret. Etwa wenn es um den Zusammenhang zwischen steigenden Bevölkerungszahlen und dem Umgang mit der Umwelt geht: die steigende Urbanisierung, der Ausbau der Infrastruktur, der Raubbau an der Natur mit all ihren negativen Folgen.

Zitat: Erstens dringt die Menschheit immer tiefer in die ausgedehnten Waldgebiete vor, insbesondere in Regenwälder, die für die Wasserkreisläufe, die Artenvielfalt und den Erhalt des Klimas unverzichtbar sind. Zweitens verdichtet sich die Besiedlung in gefährdeten Zonen, insbesondere entlang der Küsten, Flüsse und Seeufer. Und drittens weitet sich die Urbanisierung explosionsartig aus.
Wichtiges Thema ist auch die Mobilität, die Bewegungsfreiheit: Tourismus auf der einen Seite, Flucht und Migration auf der anderen.
Zitat: Die demografischen und wirtschaftlichen Triebkräfte der Migration sind stark und werden es auf Dauer bleiben. Die wohlhabenderen Länder haben sich abgeschottet und ihre Grenzen verstärkt. Auf dem Meer oder auf dem Land spielen sich unvermindert Flüchtlingstragödien ab, und die internationale Gemeinschaft scheint unfähig, ihnen ein Ende zu setzen.

Geburtenkontrolle, Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Hunger, Krieg, Industrialisierung, Globalisierung, Nachhaltigkeit - das demografische System muss sich ständig anpassen und regulieren. Der Autor bedient sich in seinem gelungenen Buch einer schlichten, neutralen Sprache, macht schwierige Gedankengänge durch Vergleiche allgemein verständlich. Dass er mehrfach Italien als Beispiel für die eine oder andere Entwicklung heranzieht, ist seiner Herkunft und seinen zahlreichen Studien über sein Heimatland geschuldet - und durchaus legitim, lassen sich diese Erkenntnisse doch leicht auch auf andere Regionen übertragen.

Zitat: Fassen wir zusammen: In den kommenden 35 Jahren wird die Weltbevölkerung um fast ein Drittel weiter anwachsen, aber in regional ganz unterschiedlichem Maße: In den reichen Ländern bleibt sie konstant, während sie in den Schwellenländern um ein Viertel zunimmt und sich in den Entwicklungsländern verdoppelt.

In Zahlen heißt das: in rund 50 Jahren werden 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Der Autor wirft vor allem im Schlusskapitel viele Fragen auf, definiert die großen Probleme, die auf uns zukommen werden. Doch Massimo Livi Bacci maßt sich nicht an, eine Lösung für diese Probleme anbieten zu können. Sie bieten Stoff für Pessimisten, die auf Rivalität und weitere Abschottung verweisen, aber auch für Optimisten, die hoffen, dass die Menschheit nicht nur örtlich, sondern auch menschlich zusammenrückt. Dieser Gedanke gefällt dem Autor. Und diesem Gedanken möchte man sich nach der Lektüre dieses Buches recht gerne anschließen.

Info: Massimo Livi Bacci: Planet und Mensch. Bevölkerungswachstum im 21. Jahrhundert (aus dem Italienischen von Enrico Heinemann, Verlag Klaus Wagenbach 2017)

Samstag, 18. November 2017

Freitag, 17. November 2017

Der Tiger in der guten Stube.

Heute schon ein Katzenvideo angeklickt? Oder vielleicht selbst ein Katzenbild verschickt? Die schnurrenden Stubentiger haben nach den Wohnzimmern auch das Internet im Sturm erobert. Eine schnelle Recherche auf der Video-Plattform Youtube zeigt, dass es Katzenvideos gibt, die bisher 54 Millionen Mal angeklickt wurden. Unglaublich eigentlich. Cat-Content sells. Aber wieso Katzen? Wie haben es diese Tiere geschafft, sich den Menschen Untertan zu machen? Die US-amerikanische Autorin Abigail Tucker hat sich das auch gefragt, und sie hat sich auf die Suche begeben. Ergebnis ist eine Kulturgeschichte der Katze mit dem Titel Der Tiger in der guten Stube.

Abigail Tucker ist katzennärrisch. Und Abigail Tucker ist nicht die einzige, die den schnurrenden Stubentigern verfallen ist. In Österreichs Haushalten leben ungefähr eineinhalb Millionen Hauskatzen. Sie begleiten ihre Menschen durchschnittlich zwölf bis 14 Jahre lang. Und sie sind allgegenwärtig.

Zitat: Für den Moment genügt es festzuhalten, dass es Hauskatzen dank einer Kombination aus langfristig entwickeltem Verhalten und von Natur aus gutem Aussehen gelungen ist, eine gewisse subtile Kontrolle über uns auszuüben. Wir wurden ebenso sehr ihre Geschöpfe wie sie die unseren.

Katzen sind im Gegensatz zu Hunden keine große Hilfe, sie können keine Blinden führen, Ertrinkende retten oder Rauschgift erschnuppern. Mit Hunden muss man täglich raus und sorgt so auch für die eigene körperliche Fitness und soziale Kontakte. Katzen lassen sich zu kaum etwas erziehen und wann sie gestreichelt werden, das entscheiden sie selbst. Und nur sie.

Zitat: Hauskatzen sind mit einer todsicheren Waffe ausgestattet, die der österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz als „Kindchenschema“ bezeichnet: Körperliche Merkmale, die uns an Menschenjunge erinnern und eine Hormonkaskade auslösen. Zu diesen Merkmalen gehören ein rundes Gesicht, Pausbacken, eine hohe Stirn, große Augen und eine kleine Nase.

Doch - abgesehen von ihrem herzigen Aussehen, ihrem weichen Fell, ihrem eigenwillig-schnurrigen Wesen -  wer sind diese Tiere überhaupt, wo kommen sie her und was haben sie im Sinn? Wann wurde die Wildkatze zur Hauskatze und warum? In neun Kapiteln taucht die Autorin in die Evolutionsgeschichte der Katzen ein, sucht in New Yorker Hinterhöfen genauso nach Spuren wie in türkischen Dörfern, befragt Forscher und Experten was es mit der globalen Dominanz der Katzen auf sich hat. Sie spricht mit Biologen, Historikern, trifft Vertreter der Katzenlobby genauso wie Vogelschützer, also ganz klaren Katzengegnern. Und sie beschäftigt sich freilich auch mit den zutiefst eigenartigen Ausprägungen der allgegenwärtigen Katzenliebe. Vom Katzencafé bis zum Altersruhesitz der Spitzenklasse.

Zitat: Für die bemerkenswert humane Summe von 460 Dollar im Monat - oder für eine deutlich größere Summe, wenn der Halter bereit ist, einen Scheck für eine lebenslange Pflege auszustellen - steht einem Sunshine-Home-Bewohner ein privater Raum zur Verfügung, der es mit vielen Manhattaner Einzimmerwohnungen aufnehmen kann; die Decken sind hoch, und das Panoramafenster bietet Aussicht auf Beutetiere aller Art.

Katzenausstellungen, Katzenzucht, Katzenkrankheiten. Es gibt kaum ein Thema, das Abigail Tucker in ihrem Buch nicht unter die Lupe nimmt. Flüssig geschrieben, leicht verständlich, aber doch mit einer ganzen Reihe Anmerkungen und Quellenangaben. Das letzte Kapitel des Buches ist dem Phänomen des Cat-Content im Internet gewidmet. Mit scheinbar ausdruckslosen Gesichtern jagen die Tiere ihrem eigenen Schatten nach und fallen dabei in den Spalt zwischen Wand und Sofa. Oder sitzen stoisch auf Staubsaugerrobotern. Oder schlafen an den unmöglichsten Orten und in den unglaublichsten Körperhaltungen. Tausende Videos kursieren und sorgen für Heiterkeit.

Zitat: Online ist die Unergründlichkeit der Katzen ein Riesenvorteil. Katzengesichter sind leere Leinwände, die Menschen als hypersoziale Wesen geradezu zwanghaft mit Inhalt füllen wollen. Sie schreien geradezu nach Beschriftungen.
Die Stars unter den Internet-Katzen heißen Grumpy Cat oder Lil Bub. Der Rummel um diese Tiere ist grenzenlos.
Zitat: Mittlerweile ist wohl jedem klar, dass unsere Kultur - on- wie offline - in einem Katzenwahn gefangen ist. Prominente Hauskatzen unterzeichnen Filmverträge, spenden für wohltätige Zwecke und zählen Hollywood-Sternchen zu ihren Twitter-Followern. Ihre Duplikate aus Plüsch bevölkern die Regale großer Kaufhausketten; sie bewerben ihre eigenen Modelinien und Eiskaffeesorten; Bilder von ihnen überschwemmen das Internet.

Abigail Tucker erzählt immer wieder aus ihrem Leben und von ihren Katzen, etwa dem hellorangen Riesenkater Cheetoh. In vielen Details werden sich Katzenbesitzerinnen oder Katzenfreunde wiederfinden. Die Interpretationen der Autorin schießen aber doch manchmal über das Ziel hinaus. Schade, denn im Großen und Ganzen ist dieses Buch wissenschaftlich fundiert und einwandfrei recherchiert.
Zitat: Vielleicht haben Katzen im Lauf der Jahrtausende so viele Menschen erbeutet und auch auf andere Weise Vorteil aus der Menschheit gezogen, weil sie die übernatürliche Macht haben, uns zu bezaubern.
Manch holprige Stelle ist aber sicherlich auch der Übersetzung geschuldet, denn in zahlreichen englischsprachigen Kritiken wird der Autorin ein großes Maß an Sprachwitz beschieden, der aber in der deutschen Übersetzung vermisst man diesen jedoch schmerzlich. Nicht wirklich geglückt sind auch die Katzen-Illustrationen, die das Buch durchziehen. Vor allem die ewig wiederkehrenden und doch recht kindischen Katzenpfotenabdrücke stören die Lesbarkeit und nehmen dem Buch einiges an Professionalität und Ernsthaftigkeit, die es im Text sehr wohl zu vermitteln vermag.

Info: Abigail Tucker: Der Tiger in der guten Stube (aus dem Englischen von Martina Wiese, Jorunn Wissmann und Monika Niehaus, Theiss 2017)

Freitag, 10. November 2017

Stille Helden in St. Pölten.

ORF III Präsentation unserer neuen zeitgeschichtlichen Doku im Haus der Geschichte in St. Pölten. Ein schöner und bewegender Abend! (Alle Fotos ORF/Thomas Jantzen)
ÖVP Landesrätin Barbara Schwarz, NÖ Kunst und Kultur Hermann Dikowitsch, ORF III Chef Peter Schöber 
Produktion Volkmar Geiblinger, Zeitzeugin Anna Rohrhofer, ORF III Chef Peter Schöber, Redaktion Ernst Pohn

Freitag, 13. Oktober 2017

Flucht. Wie der Staat die Kontrolle verlor.

Übermorgen wählt Österreich einen neuen Nationalrat. Es ist wohl eine der spannendsten Wahlen der letzten Jahrzehnte. Einer der Auslöser für den großkoalitionären Streit - und damit für die vorgezogenen Wahlen - war wohl auch die Flüchtlingsfrage. Konkret jener Zeitraum zwischen dem Ansturm im Spätsommer des Jahres 2015 bis zum März 2016 und der Schließung der Balkanroute. Drei Journalisten der Tageszeitung Die Presse - Rainer Nowak, Christian Ultsch und Thomas Prior - haben das Geschehen in ihrem Buch Flucht - Wie der Staat die Kontrolle verlor akribisch durchleuchtet und allerlei neue Details ans Licht gebracht.

Was ist wirklich passiert im September 2015? Warum hat niemand früher reagiert? Hat Europa versagt? Und wer war tatsächlich für die Schließung der Balkanroute verantwortlich? Die drei Journalisten haben sich in Budapest, Skopje, Ljubljana, Berlin, Wien, Nickelsdorf und  Spielfeld auf die Suche nach Antworten gemacht. Sie sprachen mit Ministern, Diplomaten, Beamten und Vertretern von NGOs, sagt der Journalist Christian Ultsch: "Das war dann eigentlich eine interessante Erfahrung, wie offenherzig die Gesprächspartner waren. Man hatte das Gefühl, dass das für alle eine Ausnahmesituation war, über die sie auch im Nachhinein noch sehr gerne reden." Und Presse-Chefredakteur Rainer Nowak fügt hinzu: "Uns war wichtig das nachzustellen, die Entscheidungsstränge offenzulegen und nachzurecherchieren, wer hat was wann gewusst und falsch gemacht oder vielleicht auch richtig gemacht."
Auf knapp 200 Seiten analysieren die Autoren die Vorgänge akribisch, blicken zurück auf jene Monate, die Europa erschütterten. "Also ich finde, dass die Flüchtlingskrise eines der wenigen Ereignisse war, wo Österreich wirklich eine zentrale Rolle gespielt hat. Sowohl geografisch – es lag ja mitten auf der Balkanroute -, als auch politisch", sagt Christian Ultsch.

Zitat: Kriege und Armut lösen Migrationsströme aus. Das ist keine große Erkenntnis. Doch man nimmt sie erst wahr, sobald die Flüchtlinge vor der eigenen Haustür stehen. Ob in politischen, polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Runden: Seit Jahren beklagen sich Italien, Griechenland, Spanien oder auch Bulgarien, die Länder an Europas südlicher Außengrenze, über den Andrang von Migranten. Doch die Vertreter der anderen Staaten hören meist weg. Sie sind nicht betroffen.

Die Autoren attestieren den damaligen Politikerinnen und Politikern massiven Kontrollverlust und Kurzsichtigkeit, wenn auch zum Teil aus humanitären Motiven. Ein erster Schwerpunkt liegt auf den Ereignissen im Herbst 2015 rund um den Ausnahmetag Anfang September, als die Grenzen geöffnet wurden, sagt Rainer Nowak: "Es war schon dieses berühmte Septemberwochenende, der Freitagabend, Samstag, Sonntag, die folgenden Wochen, die Verhandlungen, die nächtlichen Telefonate zwischen Merkel und Faymann, wo man einander aus dem Bett geläutet hat, die Suche der Innenministerin nach dem Bundeskanzler, die Problematik, Herrn Orbán nicht zu erreichen. Also dieses eine Monat war sicher eine unglaublich intensive und zum Teil chaotische Phase."

Ströme von Flüchtlingen sind in jenen Tagen in Ungarn Richtung Österreich unterwegs, übertreten ungehindert die Grenze. Kontrolliert wird nicht, Personendaten werden nicht aufgenommen.
Zitat: Sobald es nämlich einen Nachweis gibt, dass ein Flüchtling österreichischen Boden betreten hat, kann er nach der Dublin-Verordnung wieder zurückgewiesen werden. Aus Deutschland zum Beispiel. Oder aus Schweden. Und deshalb agiert Österreich am Beginn der Flüchtlingskrise nach dem Motto: Reisende soll man nicht aufhalten.

"Natürlich sind wir dann im Zuge dieser Gespräche auf einige neue Sachen draufgekommen. Es ist also nicht nur ein Bericht, wir haben sehr detailliert die Abläufe am 4. September, wir haben die Vorgänge eine Woche später, die auch sehr interessant sind, wo Deutschland Grenzkontrollen eingeführt hat und erwogen hat, Zurückweisungen durchzuführen. Da haben wir auch einen Schwerpunkt draufgelegt", sagt Autor Christian Ultsch. Die Grenzöffnung hat Österreich gespalten, auf der einen Seite die überraschend große Hilfsbereitschaft, auf der anderen ein Befeuern der rechtspopulistischen Ansichten. Doch auch wenn die Autoren zurückblicken auf die Eigendynamik jener Tage, auf die Macht der Bilder und die Rolle der Medien, so geht es in diesem Buch vordergründig nicht um das Schicksal der Flüchtlinge, sondern vor allem um die politischen Vorgänge, das, was im Hintergrund abgelaufen ist. Vom Willkommensstress geht es über Umwege zu Stimmungsumschwung und Chaos, so versprechen es die Titel einiger Kapitel.

Ein weiterer Schwerpunkt ist dann die Schließung der Westbalkanroute im Frühjahr 2016. Als Verantwortlicher für diesen Schritt gilt gemeinhin Außenminister Sebastian Kurz.
Zitat: Der Kurz-Mythos entsteht. Seit Wochen schon spielt der junge Außenminister gekonnt über mediale Bande im Nachbarland. Er besetzt dort eine Nische und bedient eine wachsende Nachfrage für gemäßigte Stimmen rechts der Mitte. Denn Merkels CDU ist in der Flüchtlingsfrage nach links gerückt.
Doch die Autoren haben auch hier nachgebohrt und den Mythos gleich wieder zumindest etwas entzaubert. Laut Christian Ultsch war vor allem das kleine Slowenien maßgeblich an der Schließung der Balkanroute beteiligt: "Die hatten natürlich größte Sorge, dass dann irgendwann die Länder, die sich nördlich von Slowenien befinden, die Grenzen schließen. Und ab dem Moment, wo in Österreich die Diskussion über Obergrenzen für Asylanträge sehr stark aufgekommen ist, wussten die natürlich, sie müssen handeln. Und da haben sie sehr früh zu den mazedonischen Behörden und den Serben den Kontakt gesucht, und die Österreicher, die ja dann die Schließung der Balkanroute an die große Glocke gehängt und auch diese berühmte Balkan-Konferenz am 24. Februar in Wien veranstaltet haben, haben eigentlich anfangs eine eher untergeordnete Rolle gespielt."

Die Flüchtlingssituation und wie damit umgegangen wurde, hat österreichische Politikerkarrieren gefördert - nicht nur die des Sebastian Kurz, auch Hans Peter Doskozil und Christian Kern gehörten zu den Gewinnern. Die tragische Figur im politischen Spiel war der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann, der am 1. Mai 2016 wohl die schwierigste Rede in seiner Politikerkarriere hielt.
Zitat: Solche Szenen hat es im roten Wien noch nie gegeben. Solche Emotionen haben die Spitzen der Sozialdemokratie noch nie erlebt. Werner Faymanns Stimme kann sich nicht durchsetzen, sie bricht ihm weg. Er muss seine Rede abbrechen. Ein Parteichef wird von seinen Genossen, von der Basis, am Weiterreden gehindert.
"Werner Faymann ist ursprünglich mit dem Thema ganz lange unverantwortlich umgegangen, indem er die Warnungen, die es gegeben hat, dass sich diese Menschen auf den Weg machen werden, nicht ernst genommen hat. Dann hat er gemeinsam mit Angela Merkel eine sehr humane Politik gemacht, er war dafür verantwortlich, dass die Grenzen geöffnet wurden und dann nicht wie vereinbart gleich wieder geschlossen wurden, sondern offen blieben. Dann hat er einen massiven Schwenk unternommen und hat eine viel restriktivere Politik vertreten und ist dafür von der eigenen Partei abgestraft worden. Also der 1. Mai war Frustration über Werner Faymann, aber eben auch über diese Politik", sagt Presse-Chefredakteur Rainer Novak.

Die handelnden Personen auf der österreichischen politischen Bühne sind heute großteils andere als vor zwei Jahren, die Folgen für Österreich und auch für Europa waren und sind beträchtlich. Rainer Nowak: "Man sieht, Europa hat da nicht funktioniert und ich glaube, das wird auch weiterhin ein zentrales Thema sein, wie kann Europa besser funktionieren."

Die Autoren zeigen die Schwächen des Dublin-Systems auf, beschreiben schonungslos die Überforderung der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker. Hier wird jedoch nicht mit diesem Politiker abgerechnet und jener mit Samthandschuhen angegriffen. Kontrollverlust, Chaos und undurchsichtige Aktionen gab es auf allen Seiten. So soll die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel der Schließung der Balkanroute inoffiziell zugestimmt haben, wird der damalige mazedonische Außenminister zitiert. Nach außen blieb Merkel aber in der Rolle der europäischen Gastgeberin. In diesem Buch üben die Autoren Kritik an der Doppelmoral Europas, beleuchten Schlüsselmomente der Fluchtbewegung und bieten Hintergrundinformationen, die auf so manches Detail ein neues Licht werfen: Spannend berichtet, ohne erhobenen Zeigefinger geschrieben und nüchtern erklärt.

Info: Christian Ultsch, Thomas Prior, Rainer Nowak: Flucht - Wie der Staat die Kontrolle verlor (Molden, Verlagsgruppe Styria 2017)

Freitag, 29. September 2017

Erich Meder Gedenktafel.

In der Lenaugasse 11 im achten Hieb, wo der Wiener Textdichter Erich Meder gelebt hat, gibt es jetzt eine Gedenkrafel. Vergangenen Dezember war ja meine Doku zu sehen.
Wolfgang Stanicek und Waltraut Haas bei
der Enthüllung.

Dienstag, 26. September 2017

Postmemory - Enkelkinder und Vergangenheitsbewältigung.

"Am Sonntag kommen oft alle zusammen, auch meine Großmutter, und dann wird durchaus einfach so, neben dem ganzen Enkelkindertrubel auch mal wieder irgendwas nachgefragt oder irgendeine Fotokiste rausgesucht." 
Julias Großmutter flüchtete mit 14 Jahren vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien. Julias Vater ist dort geboren. In der Familie wird oft über diese Geschichte gesprochen. Daniels Vater war erstens ein anderer, als Daniel dachte und zweitens Jude, die Großeltern starben in Auschwitz. All das hat Daniel erst im Erwachsenenalter erfahren.
"Einige Zeit später ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist zu sehen, da ist ein Prototyp, der ist gelaufen, und das Serienmodell funktioniert auch ganz gut. Das hätte ich mir nicht gedacht, dass es sowas auslöst."
Sabines Großtante versorgte Jüdinnen und Juden mit Lebensmitteln, organisierte eine kleine Widerstandsgruppe. Als Kind hat Sabine die Großtante oft im Ort getroffen.
"Sie hat immer gleich Fragen gestellt, wie es einem geht und hat meistens gleich ein Geschenk hergegeben, also die hatte immer Süßigkeiten dabei. Das war ihr offensichtlich immer sehr wichtig, dass sie anderen Leuten etwas geben kann."
Friedemann hat die NS-Vergangenheit seiner Familie erforscht und diese Geschichte in ein Buch verpackt. Ein schwieriges und leidvolles Unterfangen.
"Also in Wirklichkeit muss ich mich zerlegen und neu konstruieren, das ist wahnsinnig anstrengend, da kann man ziemlich in die Krise schlittern dabei, und es ist bedrohlich, es tut weh, macht Angst."

Wie werden Familiengeschichten weitererzählt? Und wie wirkt sich die Vergangenheit auf die nachfolgenden Generationen aus? Die Soziologin Maria Pohn-Lauggas interessiert sich für diese Familiengeschichten, erforscht unter anderem die Biografien von Widerstandskämpferinnen und Exilanten.
"Mit der Theorie im Hintergrund, dass Biografien sich immer in gesellschaftlichen Strukturen ausbilden, sich reiben an diesen Strukturen. Und dass ich, wenn ich als Biografieforscherin eine Biografie analysiere, diese gesellschaftlichen Strukturen rekonstruieren kann."
Und so versucht die Wissenschaftlerin herauszufinden, wie Enkelkinder damit umgehen, wenn sie Details aus dem Leben der Großeltern erfahren. Und ob sie diese überhaupt erfahren. Oder anders formuliert - ob sie mehr erfahren als ihre Eltern, die Nachkriegskinder.
"Ja, ich denke, es hängt viel auch damit zusammen, dass die Großelterngeneration ab einem bestimmten Alter ein Bedürfnis entwickelt, mehr zu erzählen, noch etwas mitzugeben, auch noch etwas zu vermitteln, und dadurch es auch einfacher - unter Anführungszeichen - für die Enkelgeneration wird, auch mal nachzufragen."
Im Zusammenhang mit Täter- und Opferschaft während der Zeit des Nationalsozialismus verändern sich die Erzählstrukturen.
"Die zweite Generation, vor allem im Bereich der TäterInnenfamilien, hat noch relativ eingeschränkte Möglichkeiten, ihre Elterngeneration zu konfrontieren oder sich dem zuzuwenden, es ist immer eine Form von Konfrontation oder möglicherweise auch Anklage. Warum habt ihr dort mitgemacht? Das ist für die nachfolgende Generation, also für die dritte Generation, leichter in dem Sinne, dass sie nicht mehr so stark in dieser Anklage verhaftet ist. Die ist historisch weiter weg und kann sich auch dem Nichtwissen zuwenden." 
Jede und jeder trägt seine Familiengeschichte stets mit sich. Egal, ob Opferfamilie oder Täterfamilie. Umgegangen wird damit unterschiedlich.
"Ich erlebe es immer wieder in bestimmten Kontexten, wenn ich Menschen begegne, wer deklariert sich wie in Bezug auf die Vergangenheit. Ich erleb das in meiner Generation - eben auch dritte -, dass die, die aus Täter- und Täterinnenfamilien kommen, sich nicht deklarieren, also nicht über ihre Geschichte erzählen. Und jene, die aus Überlebendenfamilien kommen, diesen Teil der Geschichte immer mitdenken."

Sabines Großtante war eine Widerstandskämpferin. Bereits ab den ersten Kriegsjahren sah sie, wie Häftlinge ins Lager Mauthausen und später ins Nibelungenwerk bei Sankt Valentin gebracht wurden. Sie versteckte Lebensmittel, besorgte Medikamente. Im Herbst 1944 wurde sie verhaftet und überlebte diverse Gefängnisse und Lager. In den 1980er Jahren schrieb sie ihre Erinnerungen nieder. Sabine erfuhr nur zufällig vom Ausmaß der Hilfsaktionen ihrer Großtante, las erstmals den bewegenden Tatsachenbericht. Leider sehr spät, meint sie: "Das finde ich jetzt für mich sehr schade, dass ich nicht mehr die Gelegenheit habe, ihr konkretere Fragen zu stellen, weil das Buch ist ein Anriss, finde ich, aber da wäre doch noch viel mehr dahinter. Konkretere Geschichten zu erfahren, Erlebnisse, Gefühle, das würde mich jetzt einfach sehr interessieren."
Was in den Erinnerungen der Großtante ganz klar wird, ist, dass Glaube, Mut und Zuversicht diese Frau geprägt haben.
"Also sie hat dieses Grundvertrauen gehabt, dass sie beschützt ist. Das hat mir immer sehr gut gefallen. Also auch in den schlimmsten, furchteinflößendsten Gegebenheiten hat sie darauf vertraut, da ist jemand, der die Hand auf sie hält. Und ich glaube, das hat ihr auch immer die Kraft gegeben - das finde ich auch sehr stark von ihr -, dass sie nie das Vertrauen verlassen hat. Der eine oder andere würde sich denken, ich bin verloren und warum schaut niemand auf mich, sie hat sich aber trotzdem gedacht, nein, das passt schon alles, ich gehe meinen Weg und der wird gut für mich sein."
Gespürt hat Sabine aber schon als Kind, dass die Großtante irgendwie ein besonderer Mensch ist.
"Sie hatte immer ein Lächeln am Gesicht, das ist besonders in Erinnerung geblieben, weil sie einfach ein sehr positiver, optimistischer Mensch war. So hab ich sie wahrgenommen, also als eine sehr optimistische Frau, die äußerst großzügig war und selber sehr bescheiden gelebt hat."
Ein Gefühl, das sich später bestätigt hat, obwohl in der Familie nie viel über die Widerstandstätigkeit der Großtante gesprochen wurde. Ein wiederkehrendes Phänomen, sagt die Biografieforscherin Maria Pohn-Lauggas: "Sie hat gespürt, was da ist, und dieses Nicht-Erzählte wirkt. Und es wirkt auf eine ganz latente und auch subtile Weise. Und erst wenn die Nachkommen anfangen, sich zuzuwenden, verstehen sie bestimmte Gefühle, die sie haben oder bestimmte Handlungen, die sie setzen. Und es gibt aber, wenn man mit Nachkommen spricht, dieses Gefühl, da ist was, aber man kann es nicht benennen. Und wenn man diese Frage stellt, da ist was, dann bekommt man relativ häufig vom Umfeld die Reaktion, nein, da ist nichts."
Da ist nichts, da war nichts. Lücken in der Biografie. Das große Schweigen vor allem in Täterfamilien.

Der Filmemacher und Künstler Friedemann Derschmidt wollte irgendwann mehr wissen und erforschte die NS-Vergangenheit seiner Vorfahren. Gespürt hat er schon als Kind, dass da etwas ist, etwas Unausgesprochenes.
"Im Prinzip war das eine große, warme, sehr integrierende Familie. Oder, ist es nach wie vor, mit sehr, sehr vielen lieben Leuten. Aber irgendwas ist mir dann schon immer wieder so quergefahren in der Wahrnehmung."
Friedemann Derschmidt nennt solche Momente Bildstörungen: Momente, in denen sich Widersprüche auftun. Momente, in denen die Geschichten, die erzählt werden, nicht mehr schlüssig sind. Momente, in denen die Bilder von Familienmitgliedern plötzlich verzerrt erscheinen. Ein Beispiel: "Eines Abends hab ich mich dazugesetzt, als mein Großvater mit seinen alten Freunden gesessen ist, wollte einfach zuhören, weil das historische Interesse war da. Und dann hat er mich weggeschickt mit den Worten, du brauchst da jetzt nicht zuhören, weil ihr – gemeint war meine Generation – seids ja alle von den Amerikanern verhetzt."
Vollkommene Verwirrung beim jungen Friedemann. Kopfschütteln und Unverständnis.
"Das hat nicht gepasst zur Bewunderung meines Großvaters, der ein sehr charismatischer, sehr interessanter Mensch war, und den ich auch sehr geliebt hab, aber plötzlich kommt DAS."
Viele solcher Momente zeichneten für Friedemann Derschmidt schließlich ein neues Bild der Familie.

Das Familiengedächtnis umschreiben, Dinge richtigstellen.
"Die Biografien, die ich von Nachkommen kenne, die sich damit beschäftigen, die beschäftigen sich auf eine Art ihr Leben lang damit. Es gibt verschiedene Formen, erstens das mal Recherchieren über die Zeit, dann immer mehr in Erfahrung bringen, es gibt verschiedene Formen der Auseinandersetzung, ob das jetzt übers Schreiben ist, über Forschung selbst, über künstlerische Auseinandersetzungen," meint Maria Pohn-Lauggas. Friedemann Derschmidt suchte in seiner Familie nach verschiedenen Erzählversionen des Vergangenen, fasste vieles in seinem Buch "Sag du es deinem Kinde" zusammen.

Von der Seele geschrieben hat sich auch Ruth Wodak vieles. Sie ist ein Nachkriegskind, Tochter von jüdischen Exilanten. Der Vater war politisch aktiv, zuerst als Sozialdemokrat, dann als revolutionärer Sozialist, schließlich als Kommunist, bevor er Österreich am  13. März 1938, also einen Tag nach dem Anschluss an Deutschland verließ.
"Man hat das nicht ein für alle Mal verarbeitet, wie man das eben bei der Vergangenheit überhaupt nicht kann, sondern man kann sich immer wieder neu damit auseinandersetzen, auch mit neuem Wissen. Und es gibt immer wieder Situationen, wo man sich tatsächlich auch damit auseinandersetzen muss und immer wieder konfrontiert wird, grade in Österreich: mit neuen Vorurteilen, neuen Antisemitismen und sozusagen einer neuen Politik, die das ja wieder hervorruft."
Auch hier gab es Lücken in der Biografie, Ruth Wodak wusste lange nicht, dass sie Jüdin ist. Später litt sie sehr unter den Erzählungen der Mutter, die Demütigungen erlebte, als sie vom Chemiestudium ausgeschlossen wurde, die Universität verlassen musste und gezwungen wurde, auf Knien die Straßen zu putzen.
"Ich sehe das als großes Problem, also vor allem dieser Rucksack, den wir alle herumtragen in unterschiedlicher Form und Weise, und schwerer und etwas leichter. Das ist natürlich belastend für unsere Generation und auch nicht wegzudenken."
Das Forschungsprojekt Kinderjause, an dem Ruth Wodak gemeinsam mit einem interdisziplinären Team von Historikern, Journalistinnen, Psychiatern und Sprachwissenschaftlerinnen seit 1999 arbeitet, beschäftigt sich mit den Familiengeschichten von Widerstandskämpferinnen und Flüchtlingen. Zunächst ging es vor allem um die Generation der Nachkriegskinder, doch Ruth Wodak setzt sich auch damit auseinander, wie Enkelkinder mit Familiengeschichten umgehen.
"Ich glaube, das aktive Auseinandersetzen ist letztlich die beste Chance, die man hat, um mit welcher schwierigen Vergangenheit und Erinnerung auch immer zurechtzukommen. Also leugnen, verdrängen, nicht nachfragen, nicht informiert werden sind sicher nicht gute Rezepte."

Lange im Unklaren über seine Familie wurde Daniel gelassen. Der Mitvierziger hat erst vor wenigen Jahren etwas erfahren, das sein Leben kurzfristig auf den Kopf stellte und langfristig sein Weltbild veränderte.
"Ich bin mit einem Vater kurze Zeit aufgewachsen, von dem ich dachte, er sei mein Vater. Und es gab im Leben meiner Mutter noch einen Onkel, und diesen Onkel habe ich ungefähr fünfmal gesehen. Und erst viel, viel später hat meine Mutter irgendwann einmal offen darüber geredet und gesagt, ja, der Onkel war dein Vater."
Was tun mit dieser Information?
"Am Anfang habe ich gedacht, es beschäftigt mich überhaupt nicht, es hat keinen Einfluss auf mich, ich habe mich geweigert, mich damit auseinanderzusetzen. Also, ich habe mir gedacht, ich habe jetzt so unaufgemachtes Packerl, und das schaue ich mir jetzt einmal von außen an und habe mich aber geweigert, es aufzumachen."
Doch es lässt ihm keine Ruhe. Und so macht sich Daniel schließlich auf die Suche, findet das Grab seines leiblichen Vaters, hinterlässt dort seine Visitenkarte. Monate später meldet sich eine Frau. Ein Treffen wird vereinbart.
"Ich kannte sie natürlich nicht, das heißt, ich wusste was sie anhat, und sie wusste, was ich anhabe. Und ich bin in das Kaffeehaus rein und dann sehe ich plötzlich eine Dame, die sich schreckt, als sie mich sieht. Das war sie dann. Ich habe nachher erfahren, dass sie sich so geschreckt hat, weil ich ihrem verstorbenen Mann so ähnlich schau."
Nach und nach erfährt Daniel Details aus dem Leben des Vaters. Dass er Jude war. Dass er nach Belgien flüchtete. Dass er dort im Widerstand war. Dass bei der Rückkehr des Vaters nach Wien niemand mehr da war von der Familie. Dass Daniels Großeltern in Auschwitz umkamen. Daniel hat dann das ehemalige KZ besucht.
"Ja das ist schrecklich, man kann es sich kaum vorstellen. Da waren diese Schienen, die in dieses Lager reinführen, da mussten sie wohl angekommen sein, und dann war es wahrscheinlich auch sehr schnell vorbei. Ich weiß gar nicht, wie das abgelaufen ist in deren Fall, weil ich da keine Informationen habe. Also … also ich spüre schon Hass."
Eine überaus spezielle und heikle Situation, die Daniel in mehrfacher Weise herausfordert, sagt die Soziologin Maria Pohn-Lauggas: "Das sind auch ganz wichtige innerpsychische Prozesse, die da passieren, und es hängt, glaube ich, maßgeblich davon ab, ob man die Möglichkeit hat, sich der Vergangenheit zuzuwenden. Also ich sage das ganz bewusst, dieses Zuwenden. Damit meine ich auch, sich emotional darauf einzulassen, also auf mögliche Erfahrungen des Verlustes, auch der Kränkung. Ich kann mir vorstellen, da ist viel Kränkung dabei, irgendwann zu erfahren, da gibt es eine Familiengeschichte, die geheim gehalten worden ist. Und dass es maßgeblich davon abhängt, wie man sich dem zuwenden kann, was es mit einem macht und ob man sich selbst als Sohn des vorher verleugneten Vaters anerkennt."

Ganz anders als in Daniels Familie, in der die Mutter wesentliche Details verschwieg und wohl auch Fragen nicht viel genützt hätte, ist es bei Julia. Dort wurde und wird ganz offen über die Vergangenheit gesprochen. Die jüdische Großmutter musste gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester vor den Nationalsozialisten nach England fliehen, gründete dort eine Familie. Julia kennt diese Geschichte seit sie selbst ein Kind ist, die britische Vergangenheit schwingt noch immer ein bisschen mit.
"Auch meine Großmutter pflegt dieses Englische wie Afternoon-Tea, und es wurde auch immer gesagt - mein Vater hat halt schwarze Haare und eine helle Haut, so dieser englische Teint, - dass ich den auch irgendwie geerbt hab."
So findet sich Julia in den Vorfahren wieder. Mittlerweile hat sie selbst zwei kleine Kinder. Die Geschichte der Großmutter, die ohne ihre Eltern in einem fremden Land lebte, macht sie sehr betroffen.
"Und gerade diese Bilder: Bahnhof, kleine Kinder, die Eltern winken. Also da breche ich sofort in Tränen aus, das geht mir schon sehr nahe, und dieses Gefühl, sich zu trennen, dass meine Großmutter wirklich fünf, sechs Jahre nicht wusste, leben ihre Eltern noch, wo sind sie – und trotzdem das Gefühl zu haben, irgendwie weiterzugehen, weiterzumachen, stark zu sein. Also ich schaue mir heute manchmal meine Großmutter an und denke mir, Wahnsinn, was sie alles erlebt hat."
Heute sitzt die Großfamilie oft zusammen, Fragen werden gestellt und beantwortet. Kollektives Erinnern über drei, mittlerweile schon vier Generationen - das ist etwas doch recht Seltenes, sagt die Soziologin Maria Pohn-Lauggas;- schon allein deshalb, weil nicht mehr sehr viele  Zeitzeuginnen und Zeitzeugen am Leben sind: "Bei ihr klingt das so, als gäbe es da eine sehr starke, auch intergenerationale Auseinandersetzung. Und zwar in die eine sowie in die andere Richtung. Und vermutlich eine starke Wertschätzung der jeweiligen Erfahrungen und Zugänge."
In Julias Fall hat ihre Mutter die Geschichte der Familie ihres Mannes, der in England geboren wurde, und ihrer Schwiegermutter, die ins Exil gehen musste, aufgeschrieben.
"Das ist etwas, was häufig in Familien passiert, dass bestimmte Familienmitglieder bestimmte Aufträge haben, sich mit bestimmten Themen zu beschäftigen. Ich finde das spannend, gerade dieses Moment des Aufschreibens, dass das eine Person macht und diesen Auftrag annimmt."
"Mein Vater hat gesagt - der hat sich schon immer interessiert für Geschichte, auch für Judentum, jüdische Geschichte in Wien -, dass das durch das Nachfragen durch meine Mutter an seine Mutter noch einmal mehr in Gang gekommen ist. Ich glaube, mein Vater alleine hätte seine Mutter weniger ausgefragt", sagt Julia, während sie in dem liebevoll gestalteten Büchlein blättert.
"Ich schaue dann immer die Gesichter an und überlebe, wer wem ähnlich schaut, und erkenne gewisse Linien oder so. Oder auch meine eigenen Kinder, wem die ähnlich schauen. Das finde ich ganz interessant. Und auch die ganz alten Fotos, die sind natürlich weiter weg, mit großen Hüten und Maschen und Blumen und wie die Kinder angezogen waren oder Badekostüme auch für Männer."
Gerade die Fotografie hat eine große Bedeutung, wenn es darum geht, sich mit der Vergangenheit der eigenen Familie auseinanderzusetzen. Mit ihrer Hilfe werden Orte der Erinnerung geschaffen, sagt die Biografieforscherin Maria Pohn-Lauggas: "Das kann Erinnerungen stützen und Lücken füllen, bleibt aber noch immer sehr fragmentarisch und auch sehr imaginativ, ich stell mir dann die Person vor, obwohl ich gar nicht auf eine reale Erfahrung zurückgreifen kann."

Ruth, Julia, Daniel, Sabine, Friedemann: einmal zweite und viermal dritte Generation, fünf Familiengeschichten, dutzende Erzählungen, hunderte Erinnerungen. Die Erlebnisse der Großelterngeneration können das Leben der Jüngeren durchaus positiv beeinflussen. Sabine, die ihre widerständige Großtante zwar nicht mehr befragen kann, meint: "Ich habe auch mit verschiedenen Leuten gesprochen und denen die Geschichte erzählt. Und die meinten so, ihr (der Großtante, Anm.) wäre es am wichtigsten, wenn man einfach in ihrem Sinne handelt. Also nicht so sehr über sie spricht, dass sie so toll war, sondern einfach auch versucht, anderen Leuten etwas zu geben, auf welche Art und Weise das auch immer ist. Also vielleicht ein bisschen von ihrem Naturell bei sich zu behalten und öfter unüberlegt zu helfen."
Und Julia, deren Großmutter als junges Mädchen ohne ihre Eltern flüchten musste, zieht Parallelen zu heute, denn auch in ihrer Familie wurde ein junger Mann aus Syrien aufgenommen.
"Und meine Großmutter war so empathisch diesem jungen Mann gegenüber und hat sich extrem interessiert für die Geschichte, und da sind mir erst – manchmal ist es so, als wäre es zu nah dran vor den Augen – gewisse Parallelen bewusst geworden."
Daniel, dem ein wichtiger Teil seiner Familiengeschichte bis vor wenigen Jahren vorenthalten wurde, ist froh, dass er jetzt weiß, woher er kommt.
"Da ist plötzlich jemand, mit dem du dich vergleichen kannst, also ich habe jetzt Bilder auch von ihm, und er schaut mir ähnlich, also da gibt es Gemeinsamkeiten. Und dann hast du so irgendwie die Möglichkeit – die ich sonst nicht hatte -, mich so ein bisschen zu kalibrieren, zu justieren, und so ein bisschen zu verorten in dem Ganzen."
Seiner Mutter, die so lange geschwiegen hat, macht er keine Vorwürfe. Ganz im Gegenteil.
"Ich habe sie damit nicht konfrontiert, weil ich mir denke, sie weiß schon, dass das alles nicht optimal gelaufen ist. Und ich sehe jetzt wirklich keinen Sinn darin, sie mit Dingen zu konfrontieren, die schmerzhaft sind. Ich verstehe das. Ich treffe auch Entscheidungen, die vielleicht nicht richtig sind, und meine Mutter ist sehr jung nach Wien gekommen und war auf sich allein gestellt, und da trifft man halt andere Entscheidungen. Also da bin ich völlig befreit von irgendwelchen Vorwürfen, die ich ihr machen würde."
Ähnlich formuliert es Ruth Wodak, die sich in ihrer Forschung stets mit der Analyse von Sprache und Diskurs und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschäftigt.
"Ich glaube, dass jeder mit den eigenen Erinnerungen letztlich machen soll, was ihm oder ihr richtig erscheint. Es gibt auch da kein Rezept. Es wäre zu wünschen, dass man viel erfährt, es ist auch zu wünschen, dass Kinder die Möglichkeit haben nachzufragen, aber ich glaube, da kann man keine Normen setzen, und es steht uns nicht zu, denke ich, Vorwürfe zu formulieren."

Familiengeschichten setzen sich aus unzähligen Teilen zusammen: Geschichten, die erzählt werden - Begebenheiten, über die niemand spricht - Personen, die auf Fotografien zum Leben erwachen - Ereignisse, die in Dokumenten nachgezeichnet werden. Es ist viel Arbeit, sich dem zu stellen, was die Recherche ans Licht bringt. Dem Leid, der Trauer und dem Verlust in Opferfamilien, der Schuld in Täterfamilien. Unangenehmes wird beiseite geschoben und verharmlost. Friedemann Derschmidt, der die Nazi-Vergangenheit seiner Familie akribisch aufgearbeitet hat, vermeidet das Wort Schuld, verwendet eher Scham und vor allem: Verantwortung.
"Schuldhaft bin ich nur dann, wenn ich mit meiner Situation nicht adäquat umgehe. Und da mache ich mich nicht nur anderen gegenüber schuldig, ich mache mich vor allem mir selber gegenüber schuldig."
Es geht also darum, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, das eigene Ich neu zu definieren.
"Gedankengut ist nicht genetisch. Rassismus ist nicht genetisch. Das ist Quatsch. Das passiert alles über andere Kanäle, das passiert über non-verbale und verbale Kommunikation zwischen Menschen."

Kollektives Erinnern, selbstständiges Denken und Entscheiden, sich einordnen in der Familiengeschichte und verschobene Narrative zurechtrücken. Der Zweite Weltkrieg ist lange vorbei, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sterben, immer öfter sind die nachfolgenden Generationen auf Erzählungen aus zweiter Hand angewiesen. Die Soziologin und Biografieforscherin Maria Pohn-Lauggas ist überzeugt, dass es in Sachen Aufarbeitung noch viel zu tun gibt. Und zwar auf mehreren Ebenen.
"Das eine ist ganz klar die politische Ebene, also auch der Slogan Niemals Vergessen, und auch, dass die Zeit des Nationalsozialismus die Familien nach wie vor prägt. Also die Art und Weise, wie der familiale Dialog sich ausgestaltet, ob die gesamte Familienstruktur eher geschlossen ist, teilweise offen oder gespalten, hängt mit der Zuwendung und Abwendung zum Nationalsozialismus und zur Shoah zusammen. Ich würde sagen, für eine österreichische Gesellschaft ist es wesentlich, um sich selbst zu verstehen.“
Dazu muss noch vieles gefragt und auf Antworten gehofft werden. Denn auch drei Generationen reichen oft nicht aus, um gesellschaftliche Tabus zu brechen und die Lücken in Familienbiografien zu füllen.

Buchtipps:
Sacha Batthyany: Und was hat das mit mir zu tun? - Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2016)
Friedemann Derschmid: Sag du es deinem Kinde (Löcker Verlag, 2015)
Bernd Fischerauer: Burli (Picus Verlag, 2017)
Peter Henisch: Die kleine Figur meines Vaters (dtv, 2010)
Marianne Hirsch: Family Frames (CreateSpace independent Publishing Platform, 2012)
Martin Pollak: Der Tote im Bunker - Bericht über meinen Vater (dtv, 2006)
Harald Welzer ua.: Opa war kein Nazi: Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis (Fischer, 2002)
Ruth Wodak: Politik mit der Angst: Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse (Edition Konturen, 2016)
Ruth Wodak: Wir sind alle unschuldige Täter - Diskurshistorische Studien zum Nachkriegsantisemitismus (Suhrkamp, 1990)
Meinrad Ziegler: Österreichisches Gedächtnis: Über Erinnern und Vergesses der NS-Vergangenheit (Studien-Verlag, 2016)
Projekt Kinderjause
Erinnern.at 
Tatsachenbericht Anna Strasser